Kommentar

Der erste Mast ist gebrochen

Nach nur einem Jahr kehrt Lars Heymann Warth & Klein Grant Thornton wieder den Rücken zu – und an seine alte Wirkungsstätte PKF Fasselt zurück. Die Personalie zeigt, vor welchen Herausforderungen Steuerberatungsgesellschaften bei der Integration neuer Teams stehen.

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„Wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück.“ Die alte Verszeile aus dem berühmten Lied „La Paloma“ von Hans Albers hätte das unausgesprochene Motto sein können, als sich der das Hamburger Büro von PKF mit Mann und Maus aufmachte, um sich WKGT anzuschließen. Nur ein Jahr später scheint nicht nur die erste Euphorie verflogen. Mit der Rückkehr von Lars Heymann zu PKF ist auch ein Mast gebrochen.

Dabei war das vor allem im Schifffahrtsbereich und beim Hamburger Patriziertum bestens verankerte PKF-Team als starker Dreimaster unter WKGT-Flagge in See gestochen: 3 Equity Partner und 33 Berufsträger – insgesamt rund 100 Mitarbeiter in Hamburg und Rostock – hatten den bis zu diesem Zeitpunkt den 50-köpfigen WKGT-Standort im Norden mit einem Schlag entscheidend verstärkt. Den bisherigen Platzhirschen wie BDO, Möhrle Happ Luther, BRL Boege Rohde Luebbehuesen oder Esche Schümann Commichau, wollte man so besser Paroli bieten. 

Allerdings begann die gemeinsame Nordfahrt der beiden Einheiten bereits unter einem schlechten Stern: Die Transaktionssteuerexpertin und einzige Steuerpartnerin des bisherigen WKGT-Standortteams, Dr. Marion Frotscher wechselte zu Beiten Burkhardt (jetzt Advant Beiten). Auch wenn der Weggang nicht unmittelbar mit der Fusion von PKF und Warth & Klein zusammenhängen mag: Mögliche Synergien fielen zunächst trotzdem weg. 

Der Weggang Heymanns ist aber auch Hinweis auf tieferliegende Themen. Er zeigt vor allem, dass Größe nicht alles ist. Es muss eben auch kulturell stimmen, und es braucht eine gemeinsame Linie, damit verschiedene Gesellschaften unterschiedlicher Provenienz auch zusammenwachsen und zusammen wachsen können. Ein Leitsatz, der im gegenwärtigen Wachstumsrennen der Next-Six nicht immer beherzigt wird. 

Neu ist allerdings, dass ein solches Stück Mittelstands-Tradition, wie es das Hamburger PKF-Team verkörperte, offenbar nicht einfach mehr ohne weiteres in eine Next-Six-Gesellschaft transferiert werden kann. Dass sich nach einem Jahr in einem ehemals so eingespielten Team Risse zeigen, verdeutlicht, wie unterschiedlich die jeweiligen Unternehmenskulturen im Steuermarkt mitunter geworden sind. Eine Next-Six-Gesellschaft wie WKGT verändert sich eben gerade durch ihr Wachstum auch selbst. Sie bildet notwendigerweise andere Strukturen und Entscheidungswege als traditionelle Mittelstandsberater, deren Kreis sie selbst einmal entstammte. Diese neue Verfasstheit und Vorgehensweise passt dann aber eben nicht mehr zu jedem Partner und jedem Geschäftsmodell aus dem Mittelstand. Jedenfalls scheint, was für Thomas Rauert, der Warth & Klein ja erhalten bleibt, funktioniert, für Lars Heymann und sein Team nicht funktioniert zu haben.

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