Kommentar

Beitritt von Fidal birgt für WTS großes Potenzial

Mit Aufnahme der französischen Großsozietät Fidal in ihr Netzwerk WTS Global gelingt der Steuerberatungsgesellschaft ein Coup – bislang aber nur im Marketing. Kommt die Kooperation wirklich ans Laufen, steigt WTS zur europäischen Steuergroßmacht auf. Ein Kommentar von JUVE Steuermarkt Co-Leiter Jörn Poppelbaum.

Teilen Sie unseren Beitrag
Jörn Poppelbaum
Jörn Poppelbaum

Fritz Esterer ist nicht nur Vor­stands­chef von WTS in Deutschland und Chairman der internationalen WTS-Allianz. Er ist Gründer, ­Chefstratege, Treiber und Chief Marketing Officer von WTS in einem. Im September 2018 verkündete er, dass WTS Global „kontinuierlich wächst“ und mit der Eröffnung von Büros in New York und San Francisco ihre Position auch in Nordamerika „weiter ausbaut“.

Als Chief Marketing Officer ist es nicht die Aufgabe Esterers, seine Firma schlechtzureden. Aber unerwähnt bleiben sollte nicht, dass sich nur vier Monate zuvor die gesamte Führungs­riege der damaligen WTS U.S. zusammen mit ihren Teams in verschiedenen US-Büros dem Top-Beratungshaus Alvarez & Marsal angeschlossen hatte. Alvarez & Marsal ist zentrales Mitglied von Taxand – einem internationalen Steuernetzwerk, das sicher nicht minder ambitioniert ist als WTS Global. Doch der umtriebige Esterer drehte den transatlantischen Rückschlag schnell in den nächsten Expansionsschritt. Und mittlerweile steht WTS mit drei verschiedenen Kooperationskanzleien sowie der Allianz mit dem lateinamerikanischen Lataxnet-Netzwerk in Amerika wieder ganz ordentlich da.

Diese Geschichte sollte man kennen, um den nächsten Schritt von WTS Global richtig einschätzen zu können – denn um ein riesigen Schritt nach vorne handelt es sich bei der Aufnahme von Fidal ohne Zweifel. 1922 gegründet, ist Fidal die älteste und mit rund 1.400 Beratern die wohl größte Wirtschaftskanzlei Frankreichs. Steuerliche Beratung bildet eine der zentralen Säulen der Sozietät. Doch eine Hochzeit im Himmel ist die Aufnahme von Fidal ins WTS Global-Netzwerk nicht. 

Tatsächlich lieferten sich Fidal und KPMG in Frankreich in den vergangenen Jahren einen hoch emotionalen Streit, nachdem die Big-Four-Gesellschaft im Jahr 2019 über 130 Anwälte ihres früheren Kooperationspartners abgeworben hatte und Fidal so ihres internationalen Netzwerks beraubt hatte.

Gleichzeitig tat sich WTS lange schwer, in Frankreich mit einer schlagkräftigen Truppe Fuß zu fassen. Erst 2018 gewann WTS Global die Noch-­Mitgliedsfirma Villemot Barthès & Associés hinzu, die an die Stelle eines noch kleineren Mitglieds rückte. Doch mit 3 Steuerpartnern und insgesamt 17 Beratern fand sich WTS auch seit 2018 nicht in einer wirklich konkurrenzfähigen Aufstellung. 

Das ist mit Fidal nun anders. Und das ist wichtig, denn eine starke deutsch­-französische Partnerschaft ist in Europa auch in der Steuer- und Rechtsberatung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. So können die Steueranwälte von CMS Hasche Sigle regelmäßig auf die Achse zu ihren hoch anerkannten Pariser Kollegen von CMS Francis Lefebvre bauen. Und das internationale Geschäft von Flick Gocke Schaumburg bewegt sich seit dem Beitritt zu Taxand – und vor allem durch die Zusammen­arbeit mit Arsene Taxand in Frankreich – in einer anderen Dimension. Das Potenzial für WTS ist also riesig – und die Zeit des Marketings vorbei.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema