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15.04.2019

JUVE Top 20: Die umsatzstärksten Steuereinheiten Deutschlands

Der Steuermarkt wächst und wächst, wenngleich die Umsätze im Schnitt eher solide als stark stiegen. Große Überraschungen sucht man vergeblich: Die Big Four sind nach wie vor die größten und die Anwaltssozietäten nach wie vor die produktivsten Einheiten im Markt. Trotzdem: Prüferrotation, Automatisierung und Konsolidierung werden mittel- bis langfristig zu Verschiebungen führen. Erste Anzeichen dafür erkennt man schon jetzt.

Mit rund 2,6 Milliarden Euro haben die zwanzig umsatzstärksten Steuerberatungseinheiten Deutschlands zusammen im Schnitt rund 6 Prozent mehr erwirtschaftet als im Jahr davor. Wenig überraschend ist, dass die Big Four nach wie vor die mit Abstand umsatzstärksten Steuerberatungsgesellschaften sind. Erstmals konnte Ernst & Young (EY) im vergangenen Geschäftsjahr sogar die 600-Millionen-Euro-Marke knacken und kommt nun auf einen steuerlichen Umsatz von knapp 638 Millionen Euro.

Dabei konnte sich der Branchenprimus mit einem Wachstum von mehr als 8 Prozent noch einmal deutlich von der direkten Verfolgerin PricewaterhouseCoopers (PwC) absetzen. Und auch wenn diese im Gegensatz zum Vorjahr wieder etwas Boden gut machen konnte, fällt das Wachstum von rund 2,3 Prozent auf etwas mehr als 450 Millionen Euro Steuerumsatz im Vergleich bescheiden aus.

Kleiner Lichtblick für KPMG

Mit voller Kraft stellt sich außerdem KPMG auf die Post-WP-Rotationszeit ein. Denn die Prüferrotation wird bei der Big-Four-Gesellschaft wohl zu den größten Veränderungen führen – schließlich hat sie lange mehr als die Hälfte aller Dax-Unternehmen und ein Drittel aller Dax-160-Konzerne geprüft. Noch ist es zu früh, um bei KPMG wirklich von einer Trendwende reden zu können. Trotzdem ist die jüngste Umsatzentwicklung ein kleiner Lichtblick für die Big-Four-Gesellschaft: Ging der Umsatz im Geschäftsjahr 2017 in der Steuerberatung noch leicht zurück, verzeichnete sie zuletzt wieder ein Umsatzplus von immerhin 4 Prozent auf 382 Millionen Euro.

Dass Deloitte, die Vierte im Bunde, KPMG, PwC oder gar EY in der Steuerberatung wenigstens mittelfristig gefährlich werden kann, ist hingegen kaum noch zu erwarten. Wuchs die kleinste Big-Four-Gesellschaft im Steuerbereich in den vergangenen Jahren noch mit Abstand am stärksten – so schloss sie etwa das Steuer-Geschäftsjahr 2017 mit einem satten Umsatzplus von 28 Prozent ab –, kam sie zuletzt nur noch auf ein Wachstum von knapp 9 Prozent.

Die JUVE Top-20

Spannend bleibt es für die Verfolger der Big Four. Insbesondere die sogenannten Next Ten wachsen seit einigen Jahren auch in der Steuerberatung mehr als solide. So gehörten alleine drei von ihnen zu den fünf am stärksten wachsenden Einheiten des vergangenen Geschäftsjahres: Sowohl Ebner Stolz Mönning Bachem als auch Rödl & Partner und RSM konnten in der Steuerberatung um rund zehn Prozent zulegen.

Gemischtes Bild bei den Wirtschaftskanzleien

Positiv entwickelt hat sich zudem das Geschäft von WTS. Denn auch wenn die Steuerberatungsgesellschaft nach wie vor 90 Millionen Euro weniger Steuerumsatz erzielte als Deloitte, konnte sie mit einem Plus von knapp 14 Prozent auf nun rund 112 Millionen Euro sowohl an Rödl als auch an Flick Gocke Schaumburg vorbeiziehen. So ist WTS, was den Umsatz angeht, nach den Big Four nun die fünftgrößte Steuereinheit Deutschlands. Mit neuen und prominenten Köpfen und einer überholten Struktur will WTS sich mittel- bis langfristig nicht nur von ihren Verfolgerinnen absetzen, sondern auch den vier Großen Konkurrenz machen.

Bei den Steuerpraxen der klassischen Wirtschaftssozietäten ergibt sich ein gemischtes Bild: Während Linklaters und Flick Gocke Schaumburg zuletzt nur durchschnittlich wuchsen und Clifford Chance in der Steuerberatung sogar auf ein leichtes Umsatzminus kam, war Freshfields Bruckhaus Deringer im vergangenen Geschäftsjahr die am stärksten wachsende Steuereinheit der JUVE Top 20 – mit einem Umsatzplus von mehr als 20 Prozent auf knapp 45 Millionen Euro.

Dabei ist der Kanzlei sogar das Kunststück gelungen, dieses Wachstum mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern und Berufsträgern zu generieren. So ist Freshfields mit einem Umsatz pro Berufsträger (UBT) von fast 1 Million Euro auch die mit Abstand produktivste Einheit im Markt. (Daniel Lehmann)

Eine ausführliche Analyse zu Kennzahlen, Entwicklung und den unterschiedlichen Geschäftsmodellen der JUVE Top 20 lesen Sie im JUVE Handbuch Steuern 2019, das am 16. April erscheint.

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