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21.10.2019

HSBC Trinkaus & Burkhardt-Interview: „Digitale Prozesse und Strukturen sind wichtig, aber kein Allheilmittel“

Den steuerlichen Besonderheiten der Bankenwelt muss sich auch Joachim Zimmermann, Steuerchef von HSBC Trinkaus & Burkhardt, stellen. Im JUVE Steuermarkt-Interview spricht er über die Frage, ob Steuerabteilungen noch an das Finanzressort berichten sollten und warum der Staat Banken besser nicht zu seinen Erfüllungsgehilfen macht.

Joachim Zimmermann

Joachim Zimmermann

JUVE Steuermarkt: Seit 2008 hat HSBC eine eigene Steuerfunktion, vorher war sie aufgeteilt zwischen Accounting und Rechtsabteilung. Hat die Finanzkrise das Institut zu dieser Entscheidung bewogen?
Joachim Zimmermann:
Nein, das hatte mit der Finanzkrise nichts zu tun. Es gab zu viele Verantwortungslücken, und damit waren zu hohe Risiken verbunden. Als Steuerchef brauchen Sie zudem den direkten Draht zum Vorstand. Die Steuerabteilung ist innerhalb von Unternehmen nicht unbedingt die beliebteste. Wir kosten Geld. Dass wir auch Ersparnisse realisieren und Risiken minimieren, ist ja zunächst nicht ersichtlich. Der CFO kann der Abteilung den Rücken stärken und muss über die Risiken aufgeklärt sein, um diese einzuschätzen. Diese Verankerung innerhalb der Bank ist essenziell. Vor allem bei der Umsetzung von Änderungen der Steuergesetze müssen ja auch wir von vornherein mit am Tisch sitzen.

Was passiert denn im Zuge einer Gesetzesänderung bei Ihnen?
Wir engagieren uns stark im Bundesverband deutscher Banken und sind hier gut vernetzt. Dadurch haben wir einen großen und frühen Input bezüglich steuerlicher Änderungen. Zuerst muss die Frage geklärt werden: Haben die entsprechenden Gesetze überhaupt eine Bedeutung für uns? Wenn ja, werden mögliche Initiativen zunächst in ein Gremium gegeben, das sich mit der Materie beschäftigt. Wir als Steuerfunktion haben anschließend die Aufgabe der steuerfachlichen Begleitung.

Und diese Gremien sind flexibel?
Das Gremium an sich ist fix und besteht aus unterschiedlichen Mitarbeitern der Bank aus verschiedenen Fakultäten, etwa Transformation, Geschäftsbereiche und Rechtsabteilung. Von unserer Seite ist ebenfalls eine Kollegin in dem Gremium engagiert. Darin werden Projekte angestoßen, die dann in den unterschiedlichen Abteilungen realisiert werden. Konkret: Bei bevorstehenden Gesetzesänderungen oder neuen Gesetzen nehmen wir zum Beispiel Auswirkungsanalysen mit den einzelnen Business Lines vor. Dort werden Sachverhalte und Herausforderungen erörtert, dokumentiert und anschließend die notwendige Umsetzung evaluiert.

Ist diese Form der integrierten Zusammenarbeit Usus für jede Steuerfunktion? Oder bilden Sie da eine Ausnahme?
Das ist bei nahezu allen Unternehmen gleich – und es funktioniert mal besser und mal schlechter. Aber den Grundsatz des „agilen Arbeitens“ findet man mittlerweile überall. Klar ist auch, dass wir schon immer Leute aus unterschiedlichen Disziplinen zusammengebracht haben. Vor 20 Jahren war diese Form des Arbeitens aber noch weit weniger institutionalisiert als heutzutage. Vor allem für die Steuerfunktion ist diese Entwicklung essenziell. Nur wer die Geschäftsprozesse einer Bank versteht, kann richtig beraten.

Das müssen Sie erläutern.
Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir in der Steuerfunktion sind nicht für die eigentliche Lohnsteuerabrechnung zuständig. Das liegt bei der Personalabteilung – wie übrigens in den meisten Unternehmen üblich. Im engen Austausch mit der Personalabteilung geben wir lohnsteuerliche Ratschläge. Für die operative Umsetzung sind wir nicht verantwortlich. Innerhalb der Steuerabteilung können Sie das Thema auch gar nicht wirklich ansiedeln: Es geht hier ja um Einblicke in Konten und sensible Daten – das ist nicht gewollt. Trotzdem wird die Personalabteilung dazu angehalten, sich bei steuerrechtlichen Fragen an die Steuerfunktion zu wenden.

Welche steuerlichen Themen haben Sie zuletzt sonst bewegt?
Allen voran beschäftigt uns die Anzeigepflicht für sogenannte Steuergestaltungsmodelle. Um dieser Herr zu werden, braucht es Prozesse, die wir heute noch nicht haben. Wir müssen innerhalb des Hauses insbesondere unsere Kundenberater fragen: Setzt ihr strukturierte Produkte ein? Dafür müssen intellektuelle Informationen von A nach B transportiert werden. Da reichen keine Excel Sheets, es müssen bestimmte Tools zum Einsatz kommen. Das können wir ohne externe Hilfe nicht realisieren.

Wer wird Ihnen da unter die Arme greifen?
Bei den Anzeigepflichten werden die meisten Unternehmen wohl auf die großen Beratungshäuser zurückgreifen – von Big Four bis Next Ten bieten das ja alle an. Mit wem wir zusammenarbeiten, ist aber noch nicht final entschieden.

Kommen Sie als Steuerfunktion überhaupt noch an der Digitalisierung vorbei?
Digitalisierung ist quasi der Klimaschutz der Steuerabteilungen. Alle sprechen darüber, aber jeder meint etwas anderes. Digitale Prozesse und Strukturen sind wichtig, aber kein Allheilmittel. Man muss sich fragen: Wo nutzt sie, wo nicht? Das ist auch abhängig von der Größe und Komplexität des Unternehmens.

Das Gespräch führten Catrin Behlau und Daniel Lehmann.

Das vollständige Interview mit Joachim Zimmermann lesen Sie in unserer aktuellen Sonderausgabe JUVE Inhouse Steuern.

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