Juve Plus JUVE Handbuch Steuern

Auf zu neuen Aufgaben

Globale Mindeststeuer, Corporate Sustainability Reporting, VAT in the Digital Age: Für die Steuerberatung wird die Arbeit wahrlich nicht weniger. Immer häufiger spielen sich die Themen auf internationaler Ebene ab und erfordern spezielles Steuer-Know-how. Zugleich ist der Markt vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt: Die Beratungsgesellschaften müssen die Vorteile der Digitalisierung für sich nutzen und Lösungen für den Fachkräftemangel finden.

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Deutsche Unternehmen – vom Mittelständler mit grenzüberschreitenden Lieferketten bis hin zum global aufgestellten Dax-Konzern – agieren zunehmend international. Entsprechend müssen sich auch Beratungsgesellschaften aufstellen und die Fragen ihrer Mandanten in Sachen internationales Steuerrecht beantworten. Es gilt die Formel: Grenzüberschreitendes Geschäft plus mehr Compliance ist gleich starkes Geschäft – aber auch gleich Spezialisierungsdruck. In dieser Gleichung lässt sich der Trend aus Sicht der Beratungseinheiten zusammenfassen. Ein Trend, der den Steuermarkt auch und gerade im vergangenen Jahr prägte.

Megathema Mindeststeuer

Im Bereich Konzernsteuern ist die globale Mindeststeuer das internationale Mammutprojekt. Sie betrifft in Deutschland Schätzungen des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt) zufolge zwischen 400 und 600 Konzerne, die oberhalb der Grenze von 750 Millionen Euro Jahresumsatz liegen. Mit dem Mindeststeuergesetz, das hierzulande seit Anfang 2024 gilt, kommen auf sie zahlreiche neue Reportingpflichten zu. Ein riesiges Geschäft für die Big-Four- und Next-Six-Gesellschaften, aber auch für eine technologiegetriebene Einheit wie WTS. 

Was Pillar II für Konzernsteuern ist, ist die EU-Initiative VAT in the Digital Age (ViDA) für die Umsatzsteuer. Die EU will ihr Mehrwertsteuersystem modernisieren, damit einher geht unter anderem das E-Invoicing für Geschäfte zwischen Händlern innerhalb der Union. Hier tut sich ein großes Beschäftigungsfeld auf, gerade für IT-gestützte Beratungsgesellschaften. Neben den Big Four und WTS, die traditionell viele Kapazitäten in Technologie einsetzen, haben zuletzt auch Next-Six-Gesellschaften und Mittelstandsberater in ihre IT investiert, um mit dem Markt Schritt zu halten. 

Nicht zuletzt, um ihre TCMS- und Prozessberatung zu intensivieren und den Beratungsbedarf bei der Transformation zu SAP S/4HANA besser zu bedienen, verstärkten einige Teams die Schnittstelle zu den hauseigenen Tax-Technology-Teams. Unabhängig vomThema E-Invoicing ist die Implementierung umsatzsteuerlicher IT-Funktionalitäten ein dankbares Thema für IT-affine Beratungshäuser.

Stillstand ist keine Option

In den Regionen stehen die häufig mittelständisch geprägten Beratungshäuser vor der großen Herausforderung, sich nicht zu sehr auf dem Erreichten auszuruhen. „Wir müssen uns bewegen, Stillstand ist keine Option.“ So bringt es der Steuerberater einer mittelgroßen MDP im Westen stellvertretend für viele andere auf den Punkt. Das bedeutet: Die Managementteams müssen sich nicht nur bei den steuerlichen Zukunftsthemen positionieren, sondern noch konsequenter als bisher den steuerlichen Nachwuchs entwickeln und die Digitalisierung vorantreiben. 

Denn viele Beratungsunternehmen stoßen an personelle, technologische und inhaltliche Grenzen. Die Lösung: weg vom Standardgeschäft hin zu spezialisierten (und damit lukrativeren) Mandaten. Viele Beratungshäuser haben reagiert und erweitern ihre Steuerberatung sukzessive um Spezialwissen – sei es in fachlicher oder branchenspezifischer Hinsicht. Allerdings stößt auch diese Initiative schnell an ihre Grenzen. 

Das Einkommensniveau für Steuerexperten steigt – und damit der Kostendruck gerade für kleinere Beratungen. Für Abhilfe sorgen Remotearbeiten und Homeoffice – über Work-from-anywhere werden steuerliche Arbeiten von überall in Deutschland erledigt. Damit erweitert sich zwar der Pool an potenziellen Mitarbeitern. Komplett kompensieren können sie den Fachkräftemangel damit aber nicht. Verschärft wird dieser noch einmal durch das komplexe Steuerrecht, dass immer häufiger eine Spezialberatung erfordert. Diesen Druck spüren auch die Beratungshäuser in den Regionen, denn die Bedürfnisse der mittelständischen Mandanten verändern sich ebenfalls. Viele Mittelstandsberater bauen daher sukzessive Spezialkompetenzen wie Umsatzsteuern, Verrechnungspreise oder internationales Steuerrecht auf.

Gemeinsam stark

Vor allem die Zunahme internationaler Themen führt dazu, dass immer mehr Mittelstandsberater spezielles Steuer-Know-how abrufen müssen. Eine Antwort: Über die Mitgliedschaft in internationalen Netzwerken und Allianzen bündeln die Beratungshäuser immer häufiger Kompetenzen und Kontakte. Und sie tun gut daran, denn viele der länderübergreifend agierenden Mittelständler erwarten dies – sie wollen sich im Ausland nicht erst auf die Suche nach einer passenden Beratungsgesellschaft machen.

Ein Teil der Antwort auf die zunehmende Spezialisierung und den Fachkräftemangel sehen viele Beratende in der Digitalisierung. Das Zauberwort lautet: Standardisierung und Automatisierung von Deklarations- und Compliance-Prozessen. Hier gehen die regionalen Player unterschiedliche Wege. Während die einen IT- und Prozessfragen über Joint Ventures mit IT-Dienstleistern oder gleich über eine eigene IT-Tochter lösen, setzen andere auf interne Lösungen und holen sich IT-Experten ins Team. Das Ziel ist in der Regel jedoch gleich: kleine, individuelle Anwendungen und Schnittstellen für den Mittelstand, keine großen ,One size fits all‘-Lösungen.

Viel los in den Regionen

Traditionell ebenfalls stark aufgestellt sind viele regionale Einheiten in der steuerlichen Beratung an der Schnittstelle zu den Themen Insolvenzrecht und Sanierung – ein Thema, bei dem derzeit viel Beratungsbedarf gefragt ist. Häufig sind die Beratenden nicht nur im lokalen Mittelstand fest verwurzelt, sondern begleiten auch regelmäßig die öffentliche Hand. Viele profitieren dabei von ihren guten Kontakten zu Kommunen und kommunalen Unternehmen, denen die steuerlichen Themen ebenfalls nicht ausgehen. 

Kurzum: Auch für die regionalen Beratungshäuser gibt es alle Hände voll zu tun. Und das sorgt für gute Zahlen. Viele Gesellschaften meldeten für das abgelaufene Geschäftsjahr starke Umsätze. Unter den von JUVE Steuermarkt exklusiv recherchierten 30 umsatzstärksten Steuereinheiten (siehe JUVE Umsätze Steuern 2024) finden sich einige größere Mittelstandsberater, die ihren Umsatz deutlich steigern konnten – und mit Blick auf die Umsatzdynamik viele bundesweit tätige Beratungshäuser in den Schatten stellen. 

Lesen Sie mehr im JUVE Handbuch Steuern 2024.

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