KPMG

„Outsourcing ist ein Wachstumsmarkt“

KPMG holt seit Monaten bekannte Steuer-Partner und ganze Teams anderer Häuser, allen voran Ernst & Young. Im JUVE Steuermarkt-Interview erläutert der Steuerchef der Big-Four-Gesellschaft, Marko Gründig, warum seine Gesellschaft in den Angriffsmodus schaltet und welche Geschäftsfelder künftig eine Rolle spielen.

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JUVE Steuermarkt: Herr Gründig, was ist schlimmer fürs Geschäft: die Prüfer-Rotation oder die Digitalisierung?
Marko Gründig:
Beides ist herausfordernd. Für uns als Steuerberater ergeben sich aus beiden Entwicklungen große Chancen.

KPMG gehört seit Jahrzehnten zu den größten Prüfern in Deutschland. Es macht Ihnen nichts aus, wenn Sie – wie es derzeit scheint – durch die Rotation Prüfungsaufträge einbüßen und dadurch Marktanteile und Umsatz verlieren? Und in der Steuerberatung sind Sie ja nach EY und PwC seit langem nur die Nummer 3.
KPMG hat ein klares Ziel: Da, wo wir rotationsbedingt Prüfungsmandate abgeben müssen, werden wir uns als Top-Berater bei unseren bisherigen Prüfungskunden positionieren. Die Steuerberatung spielt dabei eine zentrale Rolle. Unser klares Ziel ist es, Marktanteile zu gewinnen.

Dient dazu auch die neue Organisationsstruktur, die Sie im KPMG-Geschäftsbereich Steuern im vergangenen Herbst etabliert haben?
Ja. Wir wollen die fachliche Tiefe nicht nur sicherstellen, sondern weiter ausbauen. Die Mandanten erwarten von uns ganzheitliche Angebote und Beratungsleistungen, die individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Um die Anforderungen unserer Mandanten zu erfüllen, müssen wir daher in der Lage sein, unterschiedliche Dienstleistungen und Fachexpertise zusammenzuführen. Bei uns gibt es daher nun einerseits acht Service Lines, um die fachliche Tiefe sicherzustellen und auszubauen, sowie andererseits drei übergreifende Programme, die es uns ermöglichen, ganzheitliche Beratungsangebote zu entwickeln und zu vertreiben.

Wird auch bei KPMG das Outsourcing wichtiger als bisher? In den großen Outsourcing-Mandaten hierzulande dominiert ja eher WTS den Markt, auch PwC agiert deutlich auffälliger als KPMG.
Outsourcing ist definitiv ein Wachstumsfeld, wobei die komplette Auslagerung einer Steuerabteilung eher die Ausnahme ist. Auch hier ist der Wunsch nach individualisierten Angeboten hoch und wir bieten entsprechende Lösungen an, ob als Outsourcing, Co-Sourcing oder in Gestalt anderer Modelle.

Outsourcing wird erst durch Digitalisierung richtig effizient. Ist das eine der Chancen, die sich aus den Folgen der Digitalisierung ergibt?
Die Digitalisierung führt zu einer inhaltlichen Veränderung der Steuerberatung, die heute noch stark von der Deklarationstätigkeit geprägt ist. Berater müssen künftig vor allem die Unternehmensziele verstehen, daraus passgenau steuerliche Planungsmöglichkeiten identifizieren sowie dem Mandanten helfen, dessen steuerliche Risiken zu managen und dessen Compliance sicherzustellen. Outsourcing ist dabei nur eine der Chancen, die sich aus der digitalen Transformation ergibt. Die Beratung sich verändernder Geschäftsmodelle, der Einsatz von Technologien oder auch die bereits angesprochene Controversy-Beratung bergen ebenso großes Wachstumspotential. Das führt übrigens auch dazu, dass sich Steuer- und IT-Expertise noch stärker verbinden werden.

Das dürfte dann auch massive Auswirkungen auf die künftige personelle Zusammensetzung von Steuerabteilungen in Beratungsgesellschaften haben, oder?
Ich erwarte, dass die Beratungsteams seniorer, internationaler und vor allem deutlich interdisziplinärer werden, als das heute noch der Fall ist. Gerade die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit IT-Experten und unseren Kollegen aus dem Consulting-Bereich ist schon heute ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim Vertrieb von technologieunterstützten Beratungsangeboten.

Wird das auch den Kampf um die besten Köpfe anheizen und irgendwann zu einem Wettbewerb führen, der über Gehälter ausgetragen wird, wie dies bei Anwaltskanzleien schon heute der Fall ist?
Ich glaube schon, dass der Wettbewerb um Köpfe bereits größer geworden ist und noch größer wird, schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung. Sehr gute Gehälter werden bei uns schon heute bezahlt.

Das Gespräch führten Catrin Behlau und Jörn Poppelbaum.

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