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15.10.2019

JUVE Steuermarkt-Umfrage: Steuerchefs wollen sich bei Mandatierung nicht festlegen

Die Mandatierung eines externen Beraters ist ein komplexes Thema – verlässt sich ein Steuerchef eher auf seine persönlichen Kontakte oder legt er Wert auf kompetitive Honorare? JUVE Steuermarkt hat daher erstmals Steuerchefs und leitende Mitarbeiter in Steuerabteilungen dazu befragt, was für sie bei der Mandatierung ihrer Berater wirklich zählt.

Zahlreiche Leiterinnen und Leiter verschiedenster Steuerabteilungen vor allem aus großen Unternehmen in Deutschland haben an der nicht repräsentativen Umfrage im Spätsommer 2019 teilgenommen. Sie äußern sich ausführlich zu der Frage, nach welchen Kriterien sie ihre Berater auswählen.

 

 Art der Beraterbeziehung

Prozent

Pool von präferierten Beratern; aber auch Mandatierung außerhalb dieses Pools

                          53 %

fester Steuerberater für die Dauerberatung; darüber hinaus projektgebundene Mandatierung

                          24 %

ausschließlich projektgebundene Mandatierung

                          16 % 

diverse feste Länderpanel

                           5 %

festes, weltweites Panel

                           2 %

*Anzahl der Antworten: 62; Prozentzahlen gerundet; Frage: „Wie sind in Ihrer Organisation die Beziehungen zu steuerlichen Beratungsgesellschaften organisiert?“

 

Was sich zeigt: Steuerchefs sind wählerisch – und sie legen oft andere Prioritäten, als Berater möglicherweise erwarten. Klar ist: Berater müssen sich immer wieder neu beweisen. Die Teilnehmer der JUVE Steuermarkt-Umfrage haben in der Mehrzahl allenfalls für Deklaration/Jahresabschlüsse oder personenbezogene Unternehmensteuern feste Berater; sicher im Sattel sitzen häufig auch die Berater der einzelnen Ländergesellschaften.

Allein bei den Deklarationen setzen 72,5 Prozent der Befragten auf einen festen Berater, bei personenbezogenen Unternehmensteuern sind es immerhin noch 60 Prozent. Nahezu spiegelverkehrt ist die Mandatierung bei Transaktionen, Internationaler Steuergestaltung oder Tax Tech – hier wählt die große Mehrheit der Steuerchefs projektbezogen aus.

Das hat unterschiedliche Gründe. Einer davon ist naheliegend: Deklaration und personenbezogene Unternehmenssteuern sind Beratungssegmente, in denen feste Mandatsbeziehungen sinnvoll sind. Bei diesen sehr prozessorientierten Themen versprechen feste Beziehungen zu Kanzleien unter anderem Effizienzgewinne und eine klare Kostenstruktur.

Transaktionen sind hingegen schon per Definition Projekte. Die Hemmschwelle, hier auch abseits der etablierten Berater zu schauen und die Zusammenarbeit differenziert auf die gestellte Aufgabe zuzuschneiden, ist deutlich niedriger als bei den (vermeintlich) repetitiven Aufgaben in der Deklaration oder der Lohnsteuer.

 

Position

Anzahl Antworten

Leiter Konzernsteuern

54

Verantwortlicher in Auslandsgesellschaften

21

Regionale Leiter Steuern

17

CFO

16

Teamleiter

15

Geschäftsführer

 9

Je nach Projekt unterschiedlich

 8

Anderer Vorstand (Recht o.ä.)

 2

*Mehrfachantworten möglich, Anzahl Antworten; Frage: „Wer mandatiert in Ihrer Organisation zu Steuerthemen?“

 

Nur wenige Berater sitzen fest im Sattel

Ein anderer Grund ist das Geld. In vielen Unternehmen gibt es die Vorgabe, ab einem bestimmten zu erwartenden Honorarvolumen – häufig liegt dies im unteren oder mittleren fünfstelligen Bereich – ein Mandat auszuschreiben. Gerade bei Transaktionen, komplexen Verrechnungspreisberatungen oder Umsatzsteuerfragen ist der Schwellenwert schnell erreicht. Und schon ist der zuvor eigentlich für das Projekt vorgesehene Berater aus dem Spiel – weil sich in der Ausschreibung zeigt, dass ein anderer womöglich geeigneter oder günstiger ist. 

 

Ich wähle Berater…

Anzahl Antworten

über persönliche Kontakte

43

über Ausschreibungen/Pitches

32

über Empfehlungen von Kollegen in anderen Organisationen

27

über Empfehlungen, die anschließend zu einem Beauty-Contest eingeladen werden

22

bei bestimmten Projekten über Pitches

20

bei bestimmten Projekten über Empfehlungen

18

auf Basis von Rankings

 3

*Mehrfachantworten möglich; Frage: „Wie wählen Sie Ihre externen Berater aus?“

 

Zudem: Bei der Mandatierung verlässt sich eine Mehrheit der Teilnehmer auch stark auf ihr persönliches Netzwerk oder schaut den Beratern bei anderen Gelegenheiten, wie beispielsweise Konferenzen, auf die Finger – auch wenn sich formelle Pitches nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen. Die Prozesse, die zu einer Pitch-Einladung oder einer Mandatierung führen, sind allerdings häufig nicht so formalisiert, wie es von außen den Anschein hat. Klar ist: Es lohnt sich vor allem der Draht zum Steuerchef, denn in den meisten Unternehmen entscheidet der Leiter Steuern über die Mandatierung.

So bauen sich Steuerchefs hierzulande über die Jahre ein nicht-exklusives Beraternetzwerk auf, das sie häufig auch bei beruflichen Wechseln mitnehmen. „Wir haben einen Pool präferierter Berater, mandatieren bei Bedarf jedoch auch außerhalb dieses Pools“, war mit knapp 53 Prozent die meist geklickte Antwort der Umfrageteilnehmer auf die Frage, wie sie die Mandatsbeziehungen in ihrem Unternehmen managen.

Im Klartext: Verlassen kann man sich noch nicht einmal auf eine Mandatsbeziehung, wenn man es bereits in den inneren Zirkel geschafft hat – auch wenn die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer in den letzten zwölf Monaten ihre Berater nicht gewechselt hat. Es sei denn, man macht sich wirklich unersetzlich: „Wir haben einen festen Berater für unsere Betriebsprüfungen,“ erläutert beispielsweise der Steuerchef des MDAX-Unternehmens, „den habe ich quasi bereits vorgefunden, als ich hier anfing. Und ich mandatiere ihn auch weiter, weil er unser Unternehmen buchstäblich in- und auswendig kennt. Ihm brauche ich nicht erst groß die Sachverhalte zu erklären.“

Die komplette Auswertung und Methodik der JUVE Steuermarkt Inhouse-Umfrage finden Sie in der aktuellen Ausgabe 11/2019.

 

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