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13.04.2021

JUVE Handbuch Steuern: Corona-Jahr besser als gedacht

Heute erscheint die vierte Ausgabe des JUVE Handbuch Steuern. Aus den insgesamt 3.246 Gesprächen, die JUVE Steuermarkt mit Beratern in Kanzleien und Beratungsunternehmen, Mandanten und Behördenvertretern geführt hat, ergibt sich ein erstaunlich positives Bild: Denn Steuerspezialisten hatten im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun – trotz und auch wegen der Pandemie.

Besser als gedachtStatt unter der Krise zu leiden, zog das Geschäft nach einer kurzen Schockstarre im Frühjahr 2020 in den meisten Beratungsfeldern sogar deutlich an. Mandanten hatten viele Fragen, die explizit mit Corona zu tun hatten: Während vor allem bei kleineren Betrieben Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld im Mittelpunkt der Beratung standen, hatten für größere und stabiler aufgestellte Unternehmen Verrechnungspreis-, Umsatzsteuer- und Nachfolgespezialisten bestens zu tun.

Lediglich bei Transaktionen gab es zumindest vorübergehend einen Einbruch. Im Gesamtjahr 2020 kamen deutlich weniger Deals zustande oder wurden angekündigt als im Vorjahr. Ein Mangel herrschte trotzdem nicht – auch, weil Unternehmen aufgeschobene Deals zuletzt wieder verstärkt angingen, von Finanzinvestoren ganz zu schweigen. Insbesondere die Big-Four-Gesellschaften konnten sich im Zuge dessen wieder einmal als Platzhirsche in der steuerlichen Transaktionsberatung positionieren. Dabei hatte, fast ein wenig überraschend, Ernst & Young nach wie vor die Nase vorn: Der Wirecard-Skandal hat dem Steuergeschäft der Beratungsgesellschaft offenbar bislang nicht geschadet.

Ungeachtet der Lücke bei Transaktionen war in der klassischen Konzernsteuerberatung gewohnt viel zu tun. Unter anderem die Implementierung und Wartung von Tax-Compliance-Management-Systemen (TCMS) gewann zuletzt noch einmal an Bedeutung, und auch hier tat sich mit KPMG, einer der marktbestimmenden Einheiten bei TCMS, eine Big-Four-Einheit besonders hervor.

Asse im Ärmel: Umsatzsteuerspezialisten

Zuletzt zeigte sich zudem, dass Konzernsteuerabteilungen von Umsatzsteuerexperten in den eigenen Reihen profitieren. Nicht umsonst haben unter anderem Ebner Stolz Mönning Bachem, Flick Gocke Schaumburg, Warth & Klein Grant Thornton und WTS ihre Umsatzsteuerteams zuletzt von außen oder durch Partnerernennungen verstärkt. Auch bei Zoll- und Verbrauchsteuern haben viele Gesellschaften die Schnittstelle zur hauseigenen Umsatzsteuerberatung zuletzt noch einmal gestärkt, darunter Baker & McKenzie, KMLZ und Rödl & Partner. Denn im Zuge von Corona und mit Blick auf Compliance-Fragen stellen viele Unternehmen ihre Lieferketten auf den Prüfstand.

Bei Personenbezogenen Unternehmensteuern waren im Corona-Jahr Grenzschließungen und damit zusammenhängende Global-Mobility-Fragestellungen ein drängendes Thema. Auch die nationale Lohnsteuer war von Corona tangiert. Gleiches gilt für Verrechnungspreise: Ad hoc sorgten vor allem die Anpassung bestehender Verrechnungspreissysteme und die krisenbedingte Steuerplanung bei Unternehmen und Beratern von Deloitte bis Peters Schönberger & Partner für viel Arbeit, während in der Beratung zu Finanzsteuern die EU-Richtlinie zu verstärktem Beratungsbedarf führte.

Daneben sorgt das Thema Cum-Ex weiterhin konstant für Schlagzeilen. Verfahren im Zusammenhang mit dem umstrittenen Steuergestaltungsmodell bescheren Beraterinnen im Steuerstrafrecht und Steuerstreit viel Arbeit. Nachfolgepraxen wiederum befassten sich zuletzt neben dem Alltagsgeschäft vermehrt mit der Nachfolgeplanung und Testamentsgestaltung ihrer betuchten Klientel – auch das sei eine deutliche Folge der Krise, berichteten viele von ihnen in Gesprächen mit JUVE Steuermarkt.

Flächendeckender Digitalisierungsschub 

StM Handbuch Steuern 2021Überhaupt war der Markt in den zurückliegenden zwölf Monaten an vielen Stellen ganz unabhängig von Corona in Bewegung. Eine der offensichtlichsten Entwicklungen des vergangenen Jahres hing allerdings direkt mit der Pandemie zusammen: So hat sich der ohnehin dynamische Digitalisierungstrend der vergangenen Jahre noch einmal deutlich verstärkt. Die Transformation des Steuermarktes ist regions- und disziplinübergreifend schon seit längerem im Gange, digitale Tools und Schnittstellen vor allem bei den Big Four und ihren Verfolgern Usus. Corona aber hat dafür gesorgt, dass sich Kanzleien aller Größenordnungen mit dem Stand ihrer Digitalisierung auseinandersetzen und gegebenenfalls schnell neue Lösungen etablieren mussten. So hat unter anderem das Thema Tax Technology in den vergangenen Monaten noch einmal an Bedeutung gewonnen, vor allem in MDP-Kanzleien. Selbst die kleinsten der großen Einheiten leisten sich inzwischen hauseigene IT-Teams.

Der Digitalisierungstrend setzt sich also fort, und auch das Personalkarussell dreht sich munter weiter. Viele gestandene Berater zeigten sich zuletzt äußerst wechselfreudig: Dr. Uwe Eppler etwa, bis dato Steuerchef von Norton Rose Fulbright, zog es zur multidisziplinären Hamburger Einheit Möhrle Happ Luther. Und Warth & Klein Grant Thornton schnappte sich kurzerhand die Hamburger und Rostocker Teams von PKF Fasselt Schlage, um ihre norddeutsche Präsenz auszubauen – die PKF-Gesellschaft firmiert seither unter PKF Fasselt.

So wie im Norden war der Markt im vergangenen Jahr auch im Süden und Südwesten, im Osten und im Westen in Bewegung: Personalwechsel, Fusionen, neue Mandanten und neue steuerrechtliche Fragestellungen hielten Beratungsgesellschaften in allen Regionen des Landes in Atem.

Für die kommenden Monate rechnen Kanzleien damit, dass der Laden weiter brummt. Grund zum Optimismus haben sie allemal, denn die Pandemie wird ihre Mandanten und somit auch sie noch eine Zeitlang beschäftigen. Für das kommende Jahr stellen Berater sich nun auf eine heranrollende Insolvenzwelle ein. (Annika Janßen)

 

Mehr zu den Entwicklungen im Steuermarkt sowie die Rankings der führenden Kanzleien in den verschiedenen Regionen und Beratungsgebieten finden Sie im JUVE Handbuch Steuern 2021.

 

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